Lehm ist ein Baustoff mit langer Tradition und erlebt heute eine Renaissance – nicht nur wegen seines großen Vorkommens, sondern auch aufgrund seiner Vielseitigkeit in modernen Gebäudetechnologien. Besonders die Lehm-Klimaplatten von Leipfinger-Bader bieten innovative Möglichkeiten, das Raumklima und die Luftqualität effektiv zu steuern. Durch die Kombination mit Flächenheizungs- und Kühlsystemen entfalten die thermischen Vorzüge von Lehm ihr volles Potenzial.
Tradition trifft Innovation: Die Vorteile von Lehm
Als einer der ältesten Baustoffe der Welt überzeugt Lehm mit vielseitigkeit und hoher Beständigkeit. Durch seine Fähigkeit, Feuchtigkeit aus der Luft zu speichern und bei Bedarf wieder abzugeben, sorgt Lehm für eine konstante Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Das schafft nicht nur ein angenehmes Wohnklima, sondern beugt auch Schimmelbildung vor. Darüber hinaus verfügt Lehm über eine ausgesprochen hohe Wärmespeicherkapazität (10-20 kJ/m²K): Durch das einbringen von mehr thermischer Masse nimmt er im Winter mehr Wärme auf und gibt diese über einen längeren Zeitraum ab. Im Sommer funktioniert das Prinzip umgekehrt: die Speicherkapazität für Kälte ist höher und die Räume bleiben tagsüber länger kühl. Zusätzlich bindet Lehm Schadstoffe, insbesondere Flüchtige Organische Verbindungen (VOCs), aber auch andere polare Moleküle aus der Raumluft durch die große wirksame Oberfläche seiner Bestandteile (Ton, Schluff und Sand). Weitere Vorzüge des Lehms sind seine Nicht-Brennbarkeit (Baustoffklasse A1) und die regionale Verfügbarkeit.
Heizen und Kühlen mit Lehm-Klimaplatten
In Verbindung mit moderner Heiz- und Kühltechnik werden Lehmplatten zu einem spannenden Bauteil für die Gebäudetechnik. Sie ermöglichen die Übertragung von Wärme oder Kälte über Wand- und Deckenflächen. Das elektrisch betriebene Lehm-Heizelement von Leipfinger-Bader liefert beispielsweise eine Heizleistung von 250 Watt. Noch vielseitiger sind die wassergeführten Lehm-Klimaplatten, in die bereits ab Werk Mehrschichtverbundrohre integriert sind. Diese werden mit Wasser (z.B. von einer Wärmepumpe) durchströmt und geben dessen Energie gleichmäßig an den Raum ab. Die so aktivierten Flächen sorgen für angenehme Strahlungswärme bzw. Kälte und eine gleichmäßige Temperaturverteilung, ohne störende Luftbewegungen oder Staubaufwirbelungen. Das Ergebnis: ein gesundes Raumklima mit erhöhter gefühlter Temperatur, wodurch sich die tatsächliche Raumtemperatur bei gleichem Komfort senken lässt – das spart Energie. Die Heizleistung der Lehm-Klimaplatten liegt zwischen 60 und 115 Watt pro Quadratmeter, beim Kühlen erreichen sie 30 bis 52 Watt pro Quadratmeter.
Flexibel einsetzbar im Neubau und bei Sanierungen
Ob Neubau oder Modernisierung – Lehm-Klimaplatten eignen sich für beide Einsatzbereiche. Im Neubau können sie direkt in das Energiekonzept integriert werden, bei der Sanierung profitieren Bauherren von der modularen Bauweise, die eine unkomplizierte Nachrüstung ermöglicht. Die Montage kann flexibel an Wänden oder Decken erfolgen. Besonders effizient sind die wassergeführten Systeme in Kombination mit Heiztechnologie wie Wärmepumpen oder Fernwärme, da sie auch bei niedrigen Vorlauftemperaturen durch die große Leitungslänge und damit einhergehende Oberfläche trotzdem eine hohe Leistung bieten. Im Sommer sorgen sie für angenehme Kühle, im Winter für wohlige Wärme. Besonders in Kombination mit Wärmepumpen, die in Sommer auf Kühlbetrieb umgestellt werden können, sind die Lehm-Klimaplatten auf der Innenseite von Dachflächen bei eintsprechend trockenem, sonnigen Wetter um 10-25 % sparsamer im Verbrauch als eine Klimaanlage.
Planung und Montage: Worauf es ankommt
Für die bestmögliche Nutzung der Lehm-Klimaplatten ist eine sorgfältige Planung unerlässlich. Die Leistung hängt vor allem von der Differenz zwischen Heizmedium und Raumluft ab. Wichtig ist außerdem die Kompatibilität mit unterschiedlichen Wärmeerzeugern. Beim Kühlen sollte die mittlere Temperatur des Heizmediums maximal acht Grad unter der Raumtemperatur liegen, um Kondenswasser zu vermeiden. Die genaue Berechnung des Wärme- und Kältebedarfs pro Raum ist entscheidend, da sie den Flächenbedarf der Klimaplatten bestimmt. Faktoren wie Vorlauf- und Rücklauftemperaturen, deren Differenz sowie die gewünschte Raumtemperatur beeinflussen die Leistungsabgabe der Platten.
Die Montage sollte durch Fachkräfte erfolgen, um eine optimale Funktion zu gewährleisten. Die Platten lassen sich auf glatten Untergründen wie Holzwerkstoffplatten oder Unterkonstruktionen aus Holz oder Metall verschrauben. Auf mineralischen Flächen ist auch eine Verklebung mit speziellem Lehmkleber möglich. Die Verbindung der Platten erfolgt über Schiebehülsen und Pressfittinge. Vor der Fertigstellung ist das System zu spülen, auf Dichtheit zu prüfen und hydraulisch einzuregeln. Nach der Installation können die Oberflächen individuell mit Putzen oder Farben gestaltet werden, ein Armierungsgewebe schützt vor Rissbildung. Bereiche ohne Heiz- oder Kühlfunktion lassen sich optisch passend mit Lehmplatten ohne Leitungen ausstatten.
Einsatzgrenzen beachten
Trotz ihrer vielen Vorteile gibt es auch Einschränkungen: Lehm-Klimaplatten sollten nicht in Spritzwasserbereichen oder unter Fliesen eingesetzt werden, da Versiegelungen die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften negiert. Eine sorgfältige Abstimmung mit dem gesamten Gebäudesystem ist unerlässlich, um die volle Effizienz zu erreichen – Fehler in der Planung oder Auslegung können die Leistung mindern.